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Rot-Grün-Schwäche: Ursache, Formen und Alltag

Rund jeder zwölfte Mann in Deutschland kann Rot- und Grüntöne schlechter unterscheiden. Hier erfährst du, was hinter der Rot-Grün-Schwäche steckt, welche Formen es gibt, wie sie vererbt wird und wie man gut damit lebt.

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 4 Min.

Inhalt
  1. Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?
  2. Ursache: Was passiert im Auge?
  3. Die Formen: Protan und Deutan
  4. Vererbung der Rot-Grün-Schwäche
  5. Rot-Grün-Schwäche testen
  6. Ist eine Rot-Grün-Schwäche heilbar?
  7. Alltag mit Rot-Grün-Schwäche
  8. Häufige Fragen

Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?

Bei einer Rot-Grün-Schwäche arbeiten die Sinneszellen in der Netzhaut, die für Rot- und Grüntöne zuständig sind, anders als üblich. Betroffene sehen Farben, aber bestimmte Töne wirken ähnlich: Rot und Grün, Orange und Gelbgrün, Braun und Dunkelgrün oder Pink und Grau. Umgangssprachlich spricht man oft von „rot-grün-blind" oder farbenblind – tatsächlich sind die allermeisten Betroffenen nicht blind für Farben, sondern sehen sie nur weniger deutlich getrennt.

Die Rot-Grün-Schwäche ist die mit Abstand häufigste Farbsehschwäche. In Europa betrifft sie etwa 8 % der Männer und rund 0,5 % der Frauen.

Ursache: Was passiert im Auge?

Unsere Netzhaut enthält drei Arten von Zapfen – Sehzellen für das Farbsehen bei Tageslicht. Jede Zapfenart reagiert am stärksten auf einen bestimmten Bereich des Lichtspektrums: kurzwellig (Blau, „S"), mittelwellig (Grün, „M") und langwellig (Rot, „L"). Das Gehirn vergleicht die Signale und errechnet daraus die Farbe.

S (Blau)M (Grün)L (Rot)400 nm500 nm600 nm700 nm
Normales Farbsehen: drei Zapfentypen mit getrennten Empfindlichkeitskurven.

Bei einer Rot-Grün-Schwäche ist eine der beiden Zapfenarten für Rot oder Grün verändert oder fehlt. Die Empfindlichkeitskurven rücken dann zusammen – das Gehirn bekommt weniger Unterschied zwischen Rot- und Grünsignal und kann die Farben schlechter auseinanderhalten.

Die Formen: Protan und Deutan

Man unterscheidet zwei Gruppen, je nachdem welche Zapfen betroffen sind:

FormWas ist anders?Häufigkeit (Männer, Europa)
Deuteranomalie (Grünschwäche)Grün-Zapfen verändertca. 5 %
Deuteranopie (Grünblindheit)Grün-Zapfen fehlenca. 1 %
Protanomalie (Rotschwäche)Rot-Zapfen verändertca. 1 %
Protanopie (Rotblindheit)Rot-Zapfen fehlenca. 1 %

Bei den „-anomalien" sind alle drei Zapfenarten vorhanden, eine davon ist aber verschoben – je nach Ausprägung ist die Schwäche leicht bis stark. Bei den „-anopien" fehlt eine Zapfenart ganz. Typisch für Protan-Formen: Rot wirkt zusätzlich dunkler, eine rote Ampel oder ein rotes Rücklicht erscheint matter.

Vereinfachte Simulation – so ungefähr wirkt dieselbe Szene je nach Sehweise.

Vererbung der Rot-Grün-Schwäche

Die angeborene Rot-Grün-Schwäche wird X-chromosomal rezessiv vererbt. Die Gene für die Rot- und Grün-Zapfen liegen auf dem X-Chromosom. Männer haben nur ein X-Chromosom – ist dort das Gen verändert, zeigt sich die Schwäche. Frauen haben zwei X-Chromosomen; ein intaktes Gen gleicht das veränderte meist aus. Deshalb sind Männer so viel häufiger betroffen.

XXMutter (Überträgerin)
×
XYVater (normal)
XYSohn
normal
XYSohn
Rot-Grün-Schwäche
XXTochter
normal
XXTochter
Überträgerin
X-chromosomaler Erbgang: Das betroffene Gen (rot markiertes X) liegt auf dem X-Chromosom. Söhne einer Überträgerin sind mit 50 % Wahrscheinlichkeit betroffen.

Seltener entsteht eine Farbsehschwäche im Laufe des Lebens, etwa durch Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Wer plötzlich Farben anders wahrnimmt, sollte das augenärztlich abklären lassen.

Rot-Grün-Schwäche testen

Am bekanntesten ist der Ishihara-Test: Zahlen aus farbigen Punkten sind in einem Punktemuster versteckt. Menschen mit Rot-Grün-Schwäche erkennen einige davon nicht oder lesen eine andere Zahl. Einen solchen Test kannst du hier kostenlos online machen. Für eine genaue Diagnose nutzen Augenärzte zusätzlich spezielle Geräte wie das Anomaloskop, das auch die Stärke der Schwäche misst.

Bei Kindern fällt eine Rot-Grün-Schwäche oft erst in der Schule auf – Tipps dazu findest du im Ratgeber Rot-Grün-Schwäche-Test für Kinder.

Ist eine Rot-Grün-Schwäche heilbar?

Die angeborene Rot-Grün-Schwäche ist nicht heilbar und verändert sich im Laufe des Lebens nicht. Gentherapien werden erforscht, sind aber nicht verfügbar. Es gibt jedoch Hilfsmittel: Spezielle Brillen für Farbenblinde können bei vielen Betroffenen den Kontrast zwischen Rot und Grün erhöhen, ersetzen aber kein normales Farbsehen.

Alltag mit Rot-Grün-Schwäche

Die meisten Betroffenen kommen im Alltag sehr gut zurecht. Typische Stolpersteine und Tipps:

In einigen Berufen – etwa als Pilot, Lokführer oder Elektriker – kann normales Farbsehen Voraussetzung sein. Wer einen solchen Beruf anstrebt, sollte sein Farbsehen früh prüfen lassen.

Wie die Welt mit Rot-Grün-Schwäche konkret aussieht, zeigt unser Artikel Wie sehen Farbenblinde?

Häufige Fragen

Wie viele Menschen haben eine Rot-Grün-Schwäche?

In Europa sind etwa 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen betroffen. In Deutschland sind das schätzungsweise rund 3,6 Millionen Menschen.

Warum haben Männer häufiger eine Rot-Grün-Schwäche?

Die Anlage liegt auf dem X-Chromosom. Männer haben nur eines, Frauen zwei – bei Frauen gleicht ein intaktes X-Chromosom die Anlage meist aus.

Kann eine Rot-Grün-Schwäche schlimmer werden?

Die angeborene Form bleibt ein Leben lang gleich. Verändert sich das Farbsehen plötzlich, kann eine Erkrankung dahinterstecken – dann bitte zum Augenarzt.

Darf ich mit Rot-Grün-Schwäche Auto fahren?

Für den Pkw-Führerschein ist eine Rot-Grün-Schwäche in Deutschland in der Regel kein Hindernis. Für Berufskraftfahrer oder bestimmte Berufe können strengere Anforderungen gelten.