Farbenblind: Was Farbenblindheit wirklich bedeutet
Wer „farbenblind" hört, denkt an eine Welt in Schwarz-Weiß. Das trifft aber nur auf eine sehr seltene Form zu. Die meisten Farbenblinden sehen Farben – nur anders. Ein Überblick über alle Formen.
Inhalt
Farbenblind oder farbsehschwach?
Im Alltag wird „farbenblind" für jede Störung des Farbsehens verwendet. Fachlich unterscheidet man:
- Farbsehschwäche (Anomalie): Alle drei Zapfenarten sind vorhanden, eine reagiert aber verschoben. Farben werden gesehen, bestimmte Töne aber schlechter unterschieden. Das ist die häufigste Form.
- Farbenblindheit für eine Farbe (Dichromasie, „-anopie"): Eine Zapfenart fehlt. Betroffene sehen die Welt mit zwei statt drei Grundfarben.
- Vollständige Farbenblindheit (Achromasie): Es werden keine Farben wahrgenommen, nur Helligkeitsstufen. Diese Form ist sehr selten.
Formen der Farbenblindheit im Überblick
| Form | Betroffene Zapfen | Typische Verwechslungen | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Deuteranomalie / Deuteranopie | Grün (M) | Rot–Grün, Braun–Grün, Pink–Grau | ca. 6 % der Männer |
| Protanomalie / Protanopie | Rot (L) | Rot–Grün, Rot wirkt dunkel | ca. 2 % der Männer |
| Tritanomalie / Tritanopie | Blau (S) | Blau–Grün, Gelb–Rosa | sehr selten |
| Achromatopsie | alle Zapfen | keine Farben | ca. 1 von 30.000 |
Die ersten beiden Zeilen werden zusammen als Rot-Grün-Schwäche bezeichnet – sie machen den Großteil aller Fälle aus.
Wie entsteht Farbenblindheit?
Die meisten Formen sind angeboren und genetisch bedingt. Rot-Grün-Schwächen werden über das X-Chromosom vererbt, weshalb Männer viel häufiger betroffen sind. Die Blau-Gelb-Schwäche und die Achromatopsie werden anders vererbt und betreffen Männer und Frauen etwa gleich oft.
Farbenblindheit kann auch erworben sein: etwa durch Grünen Star, diabetische Netzhautschäden, Makuladegeneration, Entzündungen des Sehnervs oder bestimmte Medikamente. Auch die natürliche Gelbfärbung der Linse im Alter verschiebt die Wahrnehmung leicht in Richtung Blau-Gelb-Schwäche.
Farbenblindheit testen
Ein erster Schritt ist ein Tafeltest nach dem Ishihara-Prinzip. Unser kostenloser Online-Test erkennt Rot-Grün-Schwächen und schätzt ein, ob eher Protan oder Deutan vorliegt. Für eine Diagnose ist der Augenarzt zuständig.
Leben mit Farbenblindheit
Farbenblindheit ist keine Krankheit im engeren Sinn und schränkt die Sehschärfe – außer bei der Achromatopsie – nicht ein. Hilfreich sind Farbfilter im Smartphone, Farberkennungs-Apps und eine farbenblindenfreundliche Gestaltung von Grafiken. Bei Rot-Grün-Schwäche können spezielle Brillen für Farbenblinde den Kontrast verbessern.
Übrigens: Auch viele Tiere sind im menschlichen Sinn „farbenblind" – mehr dazu in Wie sehen Hunde? und Wie sehen Katzen?
Häufige Fragen
Sehen Farbenblinde schwarz-weiß?
Nur bei der sehr seltenen Achromatopsie. Die meisten Farbenblinden sehen Farben, verwechseln aber bestimmte Farbtöne.
Was ist der Unterschied zwischen Farbenblindheit und Farbsehschwäche?
Bei einer Farbsehschwäche sind alle drei Zapfenarten vorhanden, eine arbeitet aber verändert. Bei Farbenblindheit für eine Farbe fehlt eine Zapfenart ganz.
Können Frauen farbenblind sein?
Ja, aber seltener. Bei der Rot-Grün-Schwäche sind etwa 0,5 % der Frauen betroffen, bei Blau-Gelb-Schwäche und Achromatopsie Männer und Frauen etwa gleich häufig.