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Farbenblind: Was Farbenblindheit wirklich bedeutet

Wer „farbenblind" hört, denkt an eine Welt in Schwarz-Weiß. Das trifft aber nur auf eine sehr seltene Form zu. Die meisten Farbenblinden sehen Farben – nur anders. Ein Überblick über alle Formen.

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 3 Min.

Inhalt
  1. Farbenblind oder farbsehschwach?
  2. Formen der Farbenblindheit im Überblick
  3. Wie entsteht Farbenblindheit?
  4. Farbenblindheit testen
  5. Leben mit Farbenblindheit
  6. Häufige Fragen

Farbenblind oder farbsehschwach?

Im Alltag wird „farbenblind" für jede Störung des Farbsehens verwendet. Fachlich unterscheidet man:

Formen der Farbenblindheit im Überblick

FormBetroffene ZapfenTypische VerwechslungenHäufigkeit
Deuteranomalie / DeuteranopieGrün (M)Rot–Grün, Braun–Grün, Pink–Grauca. 6 % der Männer
Protanomalie / ProtanopieRot (L)Rot–Grün, Rot wirkt dunkelca. 2 % der Männer
Tritanomalie / TritanopieBlau (S)Blau–Grün, Gelb–Rosasehr selten
Achromatopsiealle Zapfenkeine Farbenca. 1 von 30.000

Die ersten beiden Zeilen werden zusammen als Rot-Grün-Schwäche bezeichnet – sie machen den Großteil aller Fälle aus.

Vereinfachte Simulation – so ungefähr wirkt dieselbe Szene je nach Sehweise.

Wie entsteht Farbenblindheit?

Die meisten Formen sind angeboren und genetisch bedingt. Rot-Grün-Schwächen werden über das X-Chromosom vererbt, weshalb Männer viel häufiger betroffen sind. Die Blau-Gelb-Schwäche und die Achromatopsie werden anders vererbt und betreffen Männer und Frauen etwa gleich oft.

Farbenblindheit kann auch erworben sein: etwa durch Grünen Star, diabetische Netzhautschäden, Makuladegeneration, Entzündungen des Sehnervs oder bestimmte Medikamente. Auch die natürliche Gelbfärbung der Linse im Alter verschiebt die Wahrnehmung leicht in Richtung Blau-Gelb-Schwäche.

Farbenblindheit testen

Ein erster Schritt ist ein Tafeltest nach dem Ishihara-Prinzip. Unser kostenloser Online-Test erkennt Rot-Grün-Schwächen und schätzt ein, ob eher Protan oder Deutan vorliegt. Für eine Diagnose ist der Augenarzt zuständig.

Leben mit Farbenblindheit

Farbenblindheit ist keine Krankheit im engeren Sinn und schränkt die Sehschärfe – außer bei der Achromatopsie – nicht ein. Hilfreich sind Farbfilter im Smartphone, Farberkennungs-Apps und eine farbenblindenfreundliche Gestaltung von Grafiken. Bei Rot-Grün-Schwäche können spezielle Brillen für Farbenblinde den Kontrast verbessern.

Übrigens: Auch viele Tiere sind im menschlichen Sinn „farbenblind" – mehr dazu in Wie sehen Hunde? und Wie sehen Katzen?

Häufige Fragen

Sehen Farbenblinde schwarz-weiß?

Nur bei der sehr seltenen Achromatopsie. Die meisten Farbenblinden sehen Farben, verwechseln aber bestimmte Farbtöne.

Was ist der Unterschied zwischen Farbenblindheit und Farbsehschwäche?

Bei einer Farbsehschwäche sind alle drei Zapfenarten vorhanden, eine arbeitet aber verändert. Bei Farbenblindheit für eine Farbe fehlt eine Zapfenart ganz.

Können Frauen farbenblind sein?

Ja, aber seltener. Bei der Rot-Grün-Schwäche sind etwa 0,5 % der Frauen betroffen, bei Blau-Gelb-Schwäche und Achromatopsie Männer und Frauen etwa gleich häufig.