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Blau-Gelb-Schwäche: wenn Blau und Grün verschwimmen

Wer an Farbsehschwäche denkt, denkt meist an Rot und Grün. Doch auch Blau und Gelb können schwer zu unterscheiden sein. Die Blau-Gelb-Schwäche ist angeboren sehr selten – im Laufe des Lebens tritt sie aber häufiger auf, als viele vermuten.

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 4 Min.

Inhalt
  1. Was ist eine Blau-Gelb-Schwäche?
  2. Wie sehen Menschen mit Blau-Gelb-Schwäche?
  3. Angeborene Blau-Gelb-Schwäche
  4. Erworbene Blau-Gelb-Störungen
  5. Unterschied zur Rot-Grün-Schwäche
  6. Blau-Gelb-Schwäche im Alltag
  7. Wie wird eine Blau-Gelb-Schwäche getestet?
  8. Helfen Brillen bei Blau-Gelb-Schwäche?
  9. Häufige Fragen

Was ist eine Blau-Gelb-Schwäche?

Bei einer Blau-Gelb-Schwäche arbeiten die Blau-Zapfen (S-Zapfen) in der Netzhaut nicht wie üblich. Diese Sehzellen reagieren auf kurzwelliges Licht und sind die Grundlage dafür, dass wir Blau von Grün und Gelb von Weiß oder Rosa unterscheiden. Fachlich spricht man von einer Tritan-Störung:

ML400 nm500 nm600 nm700 nm
Tritanopie: Die Blau-Zapfen (S, gestrichelt) fehlen oder arbeiten kaum – Blau und Gelb lassen sich schlecht unterscheiden.

Die Grafik zeigt: Fällt die Kurve der Blau-Zapfen weg, bleiben nur Grün- und Rot-Zapfen übrig. Rot und Grün lassen sich dann weiterhin gut unterscheiden – aber im blauen und gelben Bereich fehlt die Information, die das Gehirn zum Vergleichen braucht.

Wie sehen Menschen mit Blau-Gelb-Schwäche?

Schalte in der Simulation zwischen normalem Sehen, Tritanomalie und Tritanopie um:

Simulation: normales Sehen, Tritanomalie und Tritanopie im Vergleich

Typische Verwechslungen im Alltag:

Rot und Grün bleiben dagegen gut unterscheidbar. Eine Ampel bereitet Menschen mit Blau-Gelb-Schwäche deshalb meist keine Probleme.

Angeborene Blau-Gelb-Schwäche

Die angeborene Blau-Gelb-Schwäche ist sehr selten – Schätzungen für die Tritanopie liegen bei etwa 1 von 10.000 bis 1 von 50.000 Menschen. Anders als bei der Rot-Grün-Schwäche liegt das zuständige Gen nicht auf dem X-Chromosom, sondern auf Chromosom 7. Es wird dominant vererbt, deshalb sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. Wie die Vererbung der Rot-Grün-Schwäche im Vergleich funktioniert, erklärt der Ratgeber Rot-Grün-Schwäche: Vererbung.

Erworbene Blau-Gelb-Störungen

Viel häufiger als die angeborene Form ist eine im Leben erworbene Blau-Gelb-Störung. Die Blau-Zapfen sind empfindlicher als die anderen Zapfenarten, daher reagiert das Blau-Gelb-Sehen oft als Erstes auf Veränderungen im Auge. Mögliche Ursachen sind:

Typisch für erworbene Störungen ist, dass sie sich langsam entwickeln, ein Auge stärker betreffen können und sich mit der Zeit verändern.

Wichtig: Wenn dir auffällt, dass Blau- oder Gelbtöne anders wirken als früher, oder wenn ein Auge Farben anders sieht als das andere, lass das augenärztlich abklären. Eine erworbene Blau-Gelb-Störung kann ein frühes Zeichen einer Augenerkrankung sein, die sich gut behandeln lässt, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Unterschied zur Rot-Grün-Schwäche

Blau-Gelb-SchwächeRot-Grün-Schwäche
Betroffene ZapfenBlau (S)Rot (L) oder Grün (M)
Häufigkeit angeborensehr seltenca. 8 % der Männer, 0,5 % der Frauen
VererbungChromosom 7, dominantX-Chromosom, rezessiv
Männer/Frauengleich häufigfast nur Männer
Erworbenrelativ häufig, z. B. durch Augenerkrankungenseltener
Typische VerwechslungBlau/Grün, Gelb/HellgrauRot/Grün, Braun/Grün, Lila/Blau

Wer die Unterschiede in der Simulation vergleichen möchte, findet weitere Beispiele im Ratgeber Rot-Grün-Schwäche.

Blau-Gelb-Schwäche im Alltag

Die meisten Menschen mit Blau-Gelb-Schwäche kommen im Alltag gut zurecht. Diese Tipps helfen in typischen Situationen:

Wie wird eine Blau-Gelb-Schwäche getestet?

Hier ist Vorsicht geboten: Der klassische Ishihara-Test und auch unser Online-Test sind auf Rot-Grün-Schwächen ausgelegt. Eine Blau-Gelb-Schwäche erkennen sie nicht zuverlässig. Beim Augenarzt kommen dafür andere Verfahren zum Einsatz:

In Deutschland ist die erste Anlaufstelle die Augenarztpraxis. Einen Überblick über alle Verfahren findest du im Ratgeber Farbsehtest.

Unser kostenloser Rot-Grün-Schwäche-Test ist trotzdem nützlich: Er hilft dir, eine Rot-Grün-Schwäche auszuschließen oder zu erkennen – die mit Abstand häufigste Form der Farbsehschwäche.

Helfen Brillen bei Blau-Gelb-Schwäche?

Die meisten Brillen für Farbenblinde sind für die Rot-Grün-Schwäche entwickelt und verstärken den Kontrast zwischen Rot und Grün. Für eine Blau-Gelb-Schwäche sind sie in der Regel nicht gedacht. Bei einer erworbenen Störung steht ohnehin die Behandlung der Ursache im Vordergrund – etwa die Operation eines Grauen Stars.

Häufige Fragen

Was ist eine Blau-Gelb-Schwäche?

Eine Farbsehschwäche, bei der die Blau-Zapfen schwächer arbeiten (Tritanomalie) oder fehlen (Tritanopie). Blau und Grün sowie Gelb und Hellgrau sind dann schwer zu unterscheiden.

Wie häufig ist eine Blau-Gelb-Schwäche?

Angeboren ist sie sehr selten, etwa 1 von 10.000 bis 50.000 Menschen. Erworbene Formen, etwa durch Augenerkrankungen oder die Linsenalterung, sind deutlich häufiger.

Kann man im Alter eine Blau-Gelb-Schwäche bekommen?

Ja. Die Augenlinse wird im Alter gelblicher und filtert Blau. Auch Grauer und Grüner Star können das Blau-Gelb-Sehen verändern. Eine Veränderung sollte augenärztlich abgeklärt werden.

Erkennt der Ishihara-Test eine Blau-Gelb-Schwäche?

Nein. Dafür nutzt der Augenarzt zum Beispiel HRR-Tafeln oder Farblegetests wie den Farnsworth-Test.