Farnsworth-Test: Farbplättchen sortieren, Farbsehen messen
Statt Zahlen auf bunten Punkten zu suchen, sortierst du beim Farnsworth-Test kleine Farbplättchen in die richtige Reihenfolge. Klingt einfach – verrät aber sehr genau, welche Art von Farbsehschwäche vorliegt. Hier erfährst du, wie der Test funktioniert.
Inhalt
Was ist der Farnsworth-Test?
Der Farnsworth-Test ist ein Farblegetest (auch Farbanordnungstest). Er wurde in den 1940er-Jahren vom amerikanischen Psychologen Dean Farnsworth entwickelt, ursprünglich für die US-Marine. Anders als beim Ishihara-Test musst du keine Zahlen erkennen, sondern farbige Plättchen – sogenannte „Caps" – so anordnen, dass ihre Farbtöne fließend ineinander übergehen.
Wer normal sieht, legt die Plättchen in einer gleichmäßigen Farbreihe. Wer eine Farbsehschwäche hat, vertauscht bestimmte Farben – und zwar nicht zufällig, sondern nach einem typischen Muster. Genau dieses Muster macht den Farnsworth-Test so wertvoll: Er zeigt nicht nur, dass eine Störung vorliegt, sondern auch welche.
Die Varianten: D-15 und 100-Hue
Farnsworth D-15
Der Farnsworth D-15 („Dichotomous 15") besteht aus einem fest liegenden Referenzplättchen und 15 beweglichen Farbplättchen. Sie decken den gesamten Farbkreis ab – von Blau über Grün, Gelb und Rot bis Violett. Der Test dauert nur wenige Minuten.
Der D-15 ist bewusst so gestaltet, dass Menschen mit leichter Farbsehschwäche ihn oft bestehen. Er trennt also zwischen „leicht" und „mittel bis stark". Deshalb wird er häufig in der Arbeitsmedizin eingesetzt, wenn geprüft werden soll, ob jemand Farben im Alltag sicher genug unterscheidet.
Farnsworth-Munsell 100-Hue
Der 100-Hue-Test ist die anspruchsvolle Variante. Trotz seines Namens umfasst er 85 bewegliche Plättchen, aufgeteilt auf vier Kästen. Die Farbunterschiede zwischen benachbarten Plättchen sind sehr fein – selbst Menschen mit normalem Farbsehen machen hier einige Fehler. Der Test dauert etwa 15 bis 30 Minuten und misst, wie gut jemand Farben insgesamt unterscheiden kann.
Lanthony-Test
Eine Abwandlung ist der Lanthony-Test (desaturierter D-15). Er nutzt blassere Farben und erkennt dadurch auch leichtere oder beginnende Störungen, etwa bei Augenerkrankungen.
| D-15 | 100-Hue | |
|---|---|---|
| Plättchen | 15 + 1 Referenz | 85 in vier Kästen |
| Dauer | ca. 5 Minuten | ca. 15–30 Minuten |
| Erkennt | mittlere bis starke Störungen und ihre Art | auch feine Unterschiede, misst die Gesamtleistung |
| Typischer Einsatz | Augenarzt, Arbeitsmedizin, Eignungstests | Fachpraxis, Klinik, Berufe mit hohen Anforderungen |
Ablauf des Farnsworth-Tests
- Vorbereitung: Der Test findet bei genormtem Tageslicht oder unter einer speziellen Tageslichtlampe statt. Brille oder Kontaktlinsen werden getragen, getönte Gläser nicht.
- Einführung: Die Plättchen liegen gemischt vor dir. Am Anfang des Kastens liegt das feste Referenzplättchen.
- Sortieren: Du suchst das Plättchen, das dem Referenzplättchen farblich am ähnlichsten ist, und legst es daneben. Dann das nächste, das diesem am ähnlichsten ist – und so weiter.
- Zeit: Beim D-15 gibt es meist keine strenge Zeitbegrenzung, man soll aber zügig arbeiten. Beim 100-Hue sind etwa zwei Minuten pro Kasten üblich.
- Kontrolle: Auf der Unterseite der Plättchen stehen Nummern. Die untersuchende Person notiert deine Reihenfolge.
Auswertung: Die Fehlerachsen
Für die Auswertung werden die Plättchen in einem Kreisdiagramm eingetragen und in deiner Reihenfolge mit Linien verbunden. Wer normal sieht, erhält einen sauberen Kreis. Bei einer Farbsehschwäche entstehen Linien, die quer durch den Kreis springen. Die Richtung dieser Sprünge – die sogenannte Fehlerachse – verrät die Art der Störung:
| Fehlerachse | Bedeutung | Typische Verwechslung |
|---|---|---|
| Protan-Achse | Rot-Zapfen betroffen (Protanopie/Protanomalie) | Rot mit Blaugrün, Orange mit Grün |
| Deutan-Achse | Grün-Zapfen betroffen (Deuteranopie/Deuteranomalie) | Grün mit Pink/Purpur, Rot mit Braungrün |
| Tritan-Achse | Blau-Zapfen betroffen (Blau-Gelb-Schwäche) | Blau mit Grün, Gelb mit Violett |
Protan- und Deutan-Achse liegen relativ nah beieinander, verlaufen aber in leicht unterschiedlichen Winkeln. Die Tritan-Achse steht fast senkrecht dazu. Je mehr Querlinien es gibt, desto stärker ist die Farbsehschwäche ausgeprägt.
Beim 100-Hue-Test wird zusätzlich ein Fehlerwert (Total Error Score) berechnet. Er zeigt, wie stark jemand vom Durchschnitt abweicht, und lässt sich bei Kontrolluntersuchungen vergleichen – etwa wenn sich das Farbsehen durch eine Augenerkrankung verändert.
Wie sehen die Verwechslungen aus?
Die Fehler beim Farnsworth-Test entstehen, weil bestimmte Farbtöne für Betroffene fast gleich aussehen. Die Simulation zeigt, wie sich eine Szene bei den drei Formen verändert:
Wo kann man den Farnsworth-Test machen?
- Beim Augenarzt: Viele Praxen in Deutschland haben einen D-15-Test. Den 100-Hue findet man eher in spezialisierten Praxen und Universitätskliniken.
- In der Arbeitsmedizin: Betriebsärzte nutzen den D-15 oft bei Eignungsuntersuchungen, etwa für Berufe mit Signalfarben oder farbcodierten Kabeln.
- Bei Eignungsprüfungen: Manche Dienststellen setzen Farblegetests ergänzend zu Tafeltests ein. Mehr dazu im Ratgeber Rot-Grün-Schwäche bei Polizei und Bundeswehr.
Es gibt Online-Versionen, bei denen man Farbfelder per Maus sortiert. Weil Monitore Farben sehr unterschiedlich darstellen, sind sie aber nur eine Spielerei – für eine aussagekräftige Messung braucht es die echten Plättchen und genormtes Licht.
Farnsworth-Test oder Ishihara-Test?
Die beiden Verfahren ergänzen sich. Der Ishihara-Test ist ein schneller Suchtest für Rot-Grün-Schwächen. Der Farnsworth-Test zeigt die Art der Störung, erfasst auch Blau-Gelb-Schwächen und gibt beim 100-Hue ein genaues Maß. Für die exakte Bestimmung von Form und Stärke einer Rot-Grün-Schwäche nutzt der Augenarzt zusätzlich das Anomaloskop. Alle Verfahren im Überblick findest du im Ratgeber Farbsehtest.
Wenn du erst einmal wissen möchtest, ob du überhaupt eine Rot-Grün-Schwäche hast, ist ein Tafeltest der einfachste Weg: Unser kostenloser Online-Test dauert nur wenige Minuten.
Häufige Fragen
Was ist der Farnsworth-Test?
Ein Farblegetest, bei dem farbige Plättchen nach ihrem Farbton sortiert werden. Aus den Vertauschungen erkennt man, ob eine Protan-, Deutan- oder Tritan-Störung vorliegt.
Was ist der Unterschied zwischen D-15 und 100-Hue?
Der D-15 hat 15 Plättchen und erkennt mittlere bis starke Störungen. Der 100-Hue hat 85 fein abgestufte Plättchen und misst auch kleine Unterschiede genau.
Wie lange dauert der Farnsworth-Test?
Der D-15 dauert etwa fünf Minuten, der 100-Hue etwa 15 bis 30 Minuten.
Kann man den Farnsworth-Test online machen?
Es gibt Online-Versionen, sie sind wegen unterschiedlicher Bildschirme aber nicht aussagekräftig. Für eine echte Messung braucht es die Original-Plättchen und genormtes Licht.