Rot-Grün-Schwäche bei Polizei, Bundeswehr und im Beruf
Für die meisten Berufe spielt eine Rot-Grün-Schwäche keine Rolle. Bei Polizei, Bundeswehr, in der Luftfahrt und einigen technischen Berufen wird das Farbsehen aber genau geprüft. Hier erfährst du, worauf du dich einstellen solltest – und warum du vor der Bewerbung testen solltest.
Inhalt
- Warum das Farbsehen in manchen Berufen zählt
- Rot-Grün-Schwäche und Polizei
- Rot-Grün-Schwäche und Bundeswehr
- Pilot werden mit Rot-Grün-Schwäche
- Weitere Berufe mit Anforderungen an das Farbsehen
- Wie wird das Farbsehen bei der Einstellung getestet?
- Kann man den Farbsehtest „üben"?
- Früh testen – vor der Bewerbung
- Häufige Fragen
Warum das Farbsehen in manchen Berufen zählt
In vielen Berufen hängt die Sicherheit davon ab, dass Farben schnell und zuverlässig erkannt werden: Signallichter, Warnleuchten, farbcodierte Kabel, Positionslichter von Schiffen und Flugzeugen oder Farbangaben bei Personenbeschreibungen. Deshalb prüfen manche Arbeitgeber und Dienstherren das Farbsehen bei der Einstellung.
Eine Rot-Grün-Schwäche ist dabei die häufigste Auffälligkeit – in Deutschland betrifft sie rund jeden zwölften Mann. Viele erfahren davon erst bei der Einstellungsuntersuchung. Das ist besonders ärgerlich, wenn man schon viel Zeit in die Bewerbung investiert hat.
Rot-Grün-Schwäche und Polizei
Ob eine Rot-Grün-Schwäche ein Hindernis für den Polizeidienst ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. In Deutschland ist die Polizei Ländersache: Jedes Bundesland hat eigene Einstellungsvoraussetzungen, dazu kommen die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt. Die Anforderungen können sich außerdem je nach Laufbahn unterscheiden – etwa zwischen Schutzpolizei, Kriminalpolizei oder speziellen Verwendungen.
Was viele Polizeien gemeinsam haben:
- Das Farbsehen wird bei der polizeiärztlichen Untersuchung geprüft – meist mit Farbtafeln wie beim Ishihara-Test.
- Bei auffälligem Ergebnis folgen manchmal genauere Tests, zum Beispiel mit dem Anomaloskop oder einem Farblegetest wie dem Farnsworth-Test.
- Die Bewertung hängt oft davon ab, wie stark die Farbsehschwäche ausgeprägt ist. Eine leichte Anomalie kann anders beurteilt werden als eine vollständige Rot- oder Grünblindheit.
Prüfe deshalb die aktuellen Einstellungsvoraussetzungen deines Bundeslandes bzw. der Bundespolizei. Viele Einstellungsberater beantworten Fragen zum Farbsehen auch direkt – frag ruhig nach, bevor du dich bewirbst.
Rot-Grün-Schwäche und Bundeswehr
Auch bei der Bundeswehr wird das Farbsehen bei der ärztlichen Untersuchung im Rahmen der Eignungsfeststellung geprüft. Eine Rot-Grün-Schwäche bedeutet nicht automatisch, dass man nicht zur Bundeswehr kann. Sie kann aber darüber entscheiden, für welche Verwendungen man infrage kommt. Für Tätigkeiten, bei denen Farben sicherheitsrelevant sind – etwa im fliegerischen Dienst, bei bestimmten technischen Verwendungen oder in der Seefahrt – gelten in der Regel höhere Anforderungen.
Welche Laufbahnen und Tätigkeiten mit einer Farbsehschwäche offenstehen, kann dir das Karrierecenter der Bundeswehr sagen. Prüfe die aktuellen Voraussetzungen dort, bevor du dich auf eine bestimmte Verwendung festlegst.
Pilot werden mit Rot-Grün-Schwäche
In der Luftfahrt sind die Anforderungen an das Farbsehen besonders streng, weil Positionslichter, Pistenbefeuerung und Anzeigen im Cockpit farbcodiert sind. In Europa gelten für die fliegerärztliche Untersuchung gemeinsame Regeln. Wer die Farbtafeln nicht besteht, kann je nach Tauglichkeitsklasse mit weiterführenden Tests nachweisen, dass er Farben für die fliegerischen Aufgaben sicher genug unterscheidet. Ob das gelingt, hängt stark von Art und Ausprägung der Schwäche ab. Für Berufspiloten ist eine frühe Abklärung bei einem fliegerärztlichen Untersucher deshalb besonders wichtig.
Weitere Berufe mit Anforderungen an das Farbsehen
| Beruf | Warum Farben wichtig sind |
|---|---|
| Lokführer, Bahnberufe | Licht- und Formsignale, Warnleuchten |
| Seefahrt (z. B. Nautiker) | Positionslichter, Seezeichen, Ausguck |
| Feuerwehr, Rettungsdienst | Warnfarben, Kennzeichnungen, teils Signallichter |
| Elektriker, Elektroniker | farbcodierte Kabel und Bauteile |
| Fluglotse | farbige Anzeigen und Signale |
| Berufskraftfahrer | Signale, Bremslichter, siehe Führerschein |
| Druck, Design, Labor, Textil | exakte Farbbeurteilung im Arbeitsalltag |
In manchen dieser Berufe ist normales Farbsehen Voraussetzung, in anderen wird im Einzelfall entschieden oder es gibt Hilfsmittel. Bei Elektrikern zum Beispiel sind Kabel oft zusätzlich beschriftet, und Messgeräte helfen weiter. Die Entscheidung trifft in der Regel der Ausbildungsbetrieb oder die zuständige Stelle – frag vor der Bewerbung nach.
Wie wird das Farbsehen bei der Einstellung getestet?
- Farbtafeln: Fast immer der erste Schritt. Meist werden Ishihara-Tafeln oder ähnliche Tafeln wie die Velhagen-Tafeln verwendet.
- Farblegetest: Manche Stellen nutzen ergänzend einen Farnsworth-Test, um die Art der Störung zu bestimmen.
- Anomaloskop: Bei auffälligen Tafelergebnissen kann ein Anomaloskop die genaue Form und Stärke messen. Das Ergebnis ist oft entscheidend für die Beurteilung.
- Laternen- oder Computertests: In Luftfahrt und Seefahrt werden teils spezielle Tests eingesetzt, die Signallichter nachahmen.
Einen Überblick über alle Verfahren bietet der Ratgeber Farbsehtest.
Kann man den Farbsehtest „üben"?
Viele fragen sich, ob man Farbtafeln auswendig lernen oder mit getönten Gläsern bestehen kann. Davon ist dringend abzuraten: Bei Eignungsuntersuchungen werden Tafeln in wechselnder Reihenfolge gezeigt, Hilfsmittel wie getönte Linsen oder Brillen für Farbenblinde sind in der Regel nicht erlaubt, und ein Täuschungsversuch kann ernste Folgen haben. Vor allem aber gibt es einen guten Grund für die Prüfung – in sicherheitsrelevanten Berufen schützt sie dich und andere.
Früh testen – vor der Bewerbung
Der wichtigste Tipp: Teste dein Farbsehen, bevor du dich bewirbst oder eine Ausbildung beginnst. So vermeidest du Enttäuschungen und kannst dich rechtzeitig über Alternativen informieren. Ein erster Schritt ist unser kostenloser Rot-Grün-Schwäche-Test: In wenigen Minuten erfährst du, ob eine Rot-Grün-Schwäche wahrscheinlich ist und ob eher eine Rot- oder Grünschwäche vorliegt.
Fällt der Online-Test auffällig aus, lass dein Farbsehen beim Augenarzt genau bestimmen – idealerweise auch mit Anomaloskop. Mit dem Befund kannst du dann gezielt bei der Polizei, der Bundeswehr oder deinem Wunscharbeitgeber nachfragen, ob und in welcher Verwendung eine Einstellung möglich ist.
Häufige Fragen
Kann man mit Rot-Grün-Schwäche zur Polizei?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Einstellungsvoraussetzungen unterscheiden sich je nach Bundesland, Bundespolizei und Laufbahn. Prüfe die aktuellen Vorgaben deines Dienstherrn und lass dein Farbsehen vorher testen.
Kann man mit Rot-Grün-Schwäche zur Bundeswehr?
Eine Rot-Grün-Schwäche schließt eine Bewerbung nicht automatisch aus, kann aber bestimmte Verwendungen einschränken. Genaue Auskunft gibt das Karrierecenter der Bundeswehr.
Kann man mit Rot-Grün-Schwäche Pilot werden?
Die Anforderungen in der Luftfahrt sind streng. Wer die Farbtafeln nicht besteht, kann teils mit weiterführenden Tests nachweisen, dass er Farben sicher genug unterscheidet. Eine frühe fliegerärztliche Abklärung ist wichtig.
Welche Berufe kann man mit Rot-Grün-Schwäche nicht ausüben?
Einschränkungen gibt es vor allem in Berufen mit Farbsignalen, etwa in Luftfahrt, Seefahrt, Bahn oder bei manchen Polizei- und Militärverwendungen. Die genauen Vorgaben legt der jeweilige Arbeitgeber oder Dienstherr fest.